Der MTV scheitert gegen Karlsruhe im Duell der bis dahin Unbesiegten an den eigenen Nerven. 

Da lagen sie, fein säuberlich auf einem Silbertablett angerichtet: Die Tabellenführung und der Nimbus, als einziges Team in der Frauenbasketball-Regionalliga ungeschlagen zu sein. Für den MTV Stuttgart war beides zum Greifen nahe. Dazu hätte es für die seit Saisonbeginn ungeschlagene Mannschaft von Trainer Sebastian Gölz in der Sporthalle des Friedrich-Eugens-Gymnasiums einfach nur einen Sieg über die PS Karlsruhe Lions gebraucht. Nun sind die Badenerinnen in der laufenden Runde zwar ebenfalls noch nicht bezwungen worden. Aber dass sie am Ende als Sieger vom Feld gingen, lag nur zu einem gewissen Teil an ihrer Spielstärke. Der Mangel an Nervenstärke bei den Stuttgarterinnen war der Hauptgrund, warum sie dieses Spitzenspiel mit 54:64 verloren. Zwar hatten die Gastgeberinnen in der Abwehr eine starke Leistung abgerufen. Doch in der Offensive agierte der MTV viel zu zahnlos, um die Löwen – besser gesagt: die Löwinnen – aus Karlsruhe zu zähmen.

Dass eine Mannschaft in eine solche Partie etwas nervös startet, mag verständlich sein. Was in diesem Fall aber für beide Kontrahenten galt. Zwar gingen die Gäste schnell mit 5:0 in Führung, doch dann stabilisierte sich die Deckungsarbeit der Stuttgarterinnen. Allerdings hatte der MTV eine eher übersichtliche Trefferquote, weshalb er den Rückstand bis zum Ende des ersten Viertels nicht verkürzen konnte. Im zweiten Viertel war das anders: Nun gelang es den Gastgeberinnen nicht nur, ihren Titelrivalen durch die Defensive zu kontrollieren. Auch in der Offensive lief nun einiges besser. Ein Drei-Punkte-Wurf von Lena Dinklage zum 22:20 bescherte dem MTV erstmals die Führung in der Partie. Dass die Stuttgarterinnen zur Halbzeitpause dennoch nur mit 29:28 in Front lagen, war einmal mehr einer ganzen Reihe von schwachen Abschlüssen geschuldet, die sich das Team gegen Ende des Spielabschnitts immer wieder leistete.

Dazu kam, dass sich auch PS Karlsruhe in der Abwehrarbeit verbessert hatte und die Fastbreaks des MTV – eine von den Stuttgarterinnen gern genutzt Waffe – durch konsequente Zonenverteidigung gut zu unterbinden wusste. Nach dem dritten Viertel stand es 44:43 für die Stuttgarterinnen – die dann aber im letzten Spielabschnitt kaum noch etwas auf die Reihe brachten. Technische Fehler, vermeidbare Ballverluste, dazu eine Mixtur aus Pech und Unvermögen im Abschluss machten es den Karlsruherinnen leicht, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden.

„Leider hatten wir am Schluss die Nerven nicht“, sagt MTV-Coach Sebastian Gölz. Und er schob gleich noch eine Kampfansage an den Titelrivalen nach: „Zehn Punkte im Rückspiel aufholen – das ist für meine Mannschaft machbar.“

MTV Stuttgart: Jasmin Baghiana, Birte Bencker (2 Punkte), Martina Bulat, Lena Dinklage (6), Eva Kasakidou, Teresa Kucera (10), Stefanie Rathfelder (16), Lara Reckmann, Tabea Ritschek (8), Julia Wultschner (10), Katrin Wultschner (2).

Mike Meyer (Nordrundschau)