Der MTV Stuttgart feiert einen ausgesprochen kuriosen, aber erfolgreichen Auftakt in die neue Runde 

Es war ein Saisonstart für den Basketball-Regionalligisten MTV Stuttgart, der an Kuriositäten kaum zu überbieten war. Die neue Regelung, dass mindestens zwei sogenannte „Local Player“ innerhalb einer Mannschaft auf dem Feld stehen müssen, sorgte während des Gastspiels bei den Gießen Pointers für heftige Verwirrung. Zum einen, weil die Unparteiischen fälschlicherweise von drei Spielern ausgingen, woran sich der MTV anschließend hielt. Zum anderen, weil Fekre Abraha noch nicht als „Local Player“ registriert war. Die durchaus kuriose Regelung bezieht sich nicht allein auf die Landeszugehörigkeit. Ein „Local Player“ ist dadurch gekennzeichnet, dass er in der Jugend drei Jahre für einen deutschen Verein gespielt hat, weshalb der MTV Cyril da Silva, Nick Mosley und Fekre Abraha nicht gemeinsam auf das Feld schicken konnte.

„Das ist natürlich total ärgerlich, weil wir falsch informiert wurden“, sagte Torsten Böhringer, Trainer der Stuttgarter. Schließlich hätten trotz der noch fehlenden Registrierung Abrahas alle drei Spieler parallel spielen dürfen. Dass zudem Rückkehrer Christopher Ley nicht auflaufen durfte, weil er nicht rechtzeitig für die erste Mannschaft gemeldet worden war, kam als Sahnehäubchen oben drauf. „Das war aber unser Fehler“, gab Böhringer lachend zu.

Den Humor hatte der Coach nicht verloren, weil der MTV Stuttgart das Spiel trotz aller Widrigkeiten mit 81:77 für sich entschied. Dabei sah es lange Zeit nach einer Niederlage aus. Bis zur Halbzeitpause konnten die Stuttgarter kein einziges Mal in Führung gehen. Die Wurfquote von außen war mit 13 Prozent katastrophal. Und auch in der Verteidigung erwischten der MTV nicht seinen besten Tag. „Das war durchwachsen und lückenhaft“, sagte Böhringer, fügte aber an: „Grottenschlecht war die Leistung nicht.“ Denn so mies die Trefferquote von der Dreierlinie war, so stark waren die Versuche aus der Mitteldistanz. Symbolisch dafür war der Auftritt von Jose Tejada-Munoz. Von acht Würfen aus der Distanz rauschte nur einer durch das Netz. Aus näherer Entfernung verwandelte er jeden seiner sechs Versuche.

Der einzige Spieler, der einen in allen Belangen überragenden Tag erwischte, war Nick Mosley. 23 Punkte, 16 Rebounds, sechs Vorlagen und vier Steals zauberte der Center auf das Parkett. „Das war echt brutal“, zeigte sich Trainer Böhringer beeindruckt von der Leistung. Am Ende war es die ausgleichende Gerechtigkeit, dass ausgerechnet ein in den USA aufgewachsener Nicht-Local-Player das Spiel entschied.

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (23 Punkte), Milos Mandic (17), Jonas Leidel (11), Alexander Komitakis (1), Fekremariam Abraha, Cyril da Silva (3), Andreas Nicklaus (6), Jose Angel Tejada-Munoz (20).

Simon Valachovic (Nordrundschau)