Der MTV Stuttgart startet in der 1. Regionalliga mit einem Sieg ins neue Jahr – 90:84 gegen Gießen.

Ziemlich genau 29 Sekunden vor dem Spielende erstarrte Torsten Böhringer noch einmal. Für einen kurzen Moment wirkte der Trainer des MTV Stuttgart fassungslos. 87:84 aus Sicht der Nord-Stuttgarter – so blinkte es auf der Anzeigetafel. Ein Zwischenstand, der eigentlich beruhigend sollte. Doch zwei Minuten zuvor waren es noch zwölf Zähler gewesen (82:70), mit denen Böhringers Mannschaft gegen die Gießen Pointers führte. Das Glück war plötzlich wie weggeblasen und das Tempo auf dem Feld in der Schlussphase einmal mehr das große Problem der Gastgeber. Fast wäre es sogar zu einem Déjà-vu gekommen – wie schon Anfang November, als der MTV eine sicher gewonnen geglaubte Partie gegen die Saarlouis Sunkings in den letzten Minuten noch aus der Hand gegeben hatte. Die Partie entwickelte sich daraufhin ein wenig zum psychologischen Knackpunkt. Bis Weihnachten gewannen die Nord-Stuttgarter in der 1. Regionalliga kaum noch ein Spiel.
„Wenn die das noch verlieren“, rief deshalb einer von rund 200 besorgten Zuschauern in der Sporthalle West nicht ganz grundlos. Kurz darauf zuckte er noch einmal zusammen, als ein Dreierversuch der Gießener vom Korbring abprallte – zum Glück aber landete der Ball in den Armen eines MTV-Spielers. Damit war die Partie, die der MTV Stuttgart am Ende mit 90:84 (35:38) gewann, entschieden und die Jubelschreie waren deutlich vernehmbar. Darunter hörbar auch die heißer gewordene Stimme von Coach Torsten Böhringer. „Wir dürfen den Gegner zum Schluss nicht noch einmal so rankommen lassen“, haderte der 33-Jährige, dessen Mannschaft nach den üblichen taktischen Fouls zum Ende des Spiels Nerven zeigte. „Hätten wir unsere Freiwürfe besser getroffen, wäre es nicht mehr so spannend geworden“, sagte Böhringer. Dennoch war dies für ihn letztlich nur ein Randaspekt.
Für den MTV-Trainer überwogen die positiven Punkte, die er aus dem Spiel mitnahm. Vor allem im dritten Viertel beeindruckten die Nord-Stuttgarter nicht nur in der Defensive, sondern feuerten im Angriff einen Wurfregen ab. Plötzlich gelang das, was noch vor einigen Wochen so holprig vonstatten gegangen war. Der Ball wurde flüssig durchgespielt, die freien Würfe genommen. Die Folge: Ein 17:2-Lauf, der sich als der wesentliche Faktor für den Sieg gegen die Gießener entpuppte. „Wir haben gespielt, wie wir das in der Vorbereitung geübt und besprochen hatten“, lobte Böhringer. Warum das erst so spät und nicht schon in den ersten beiden Vierteln gelang, als der MTV nur aufgrund seiner soliden Verteidigung im Spiel blieb, beantwortete Stuttgarts Trainer so: „Wir haben da zu statisch gespielt“, erklärte er. Erst als er den Seinen in den Auszeiten die entsprechenden Anweisungen gab, fanden sie richtig ins Spiel. „Ich habe die Jungs mehrfach darauf hingewiesen, zusammenzuspielen“, sagte Böhringer.
Durch diesen positiven Start ins neue Jahr haben sich die Nord-Stuttgarter in der Tabelle nun wieder ein gutes Polster auf die Abstiegsränge verschafft und vielleicht auch endlich den psychologischen Vorteil auf ihre Seite gezogen – anders als das noch in der Hinrunde der Fall war.

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (23 Punkte), Christian Gundlach, Milos Mandic (15), Jonas Leidel (23), Alexander Komitakis, Fekremariam Abraha, Christopher Ley (9), Andreas Nicklaus (2), Rafail Kaltzidis, Cyril Antoine da Silva (8), Jose Angel Tejada-Munoz (10).

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)