Drei Stammkräfte verlassen den Club. Die Lücken werden durch Nachwuchskräfte geschlossen.

Fekre Abraha war sichtlich enttäuscht nach seinem letzten Vorbereitungsspiel für den Basketball-Zweitligisten Kirchheim Knights. Eine knappe Minute hatte er gegen die MLP Academics Heidelberg gespielt und zwei Ballverluste zu verantworten. Was folgte, war die direkte Auswechslung. Da musste ihm Vizekapitän Tim Koch schon aufmunternd auf den Oberschenkel klopfen, um wieder etwas mehr Zuversicht in das Gesicht des gerade erst 19 Jahre alten Nachwuchsbasketballers zu zaubern. „Für die zweite Liga reicht es einfach noch nicht“, sagte anschließend Mauricio Parra, Trainer der Kirchheim Knights.

Weshalb Fekre Abraha in der kommenden Spielzeit überwiegend für den Basketball-Viertligisten MTV Stuttgart zum Einsatz kommen wird. Der Point Guard ist Teil der Kooperation zwischen den Knights und den Stuttgartern, durch die Spieler unter 23 Jahren mittels eines Doppelspielrechts zum Einsatz kommen können. Neben Abraha wird auch Andreas Nicklaus, ebenfalls 19 Jahre alt, überwiegend beim MTV auflaufen. Zwar bekam der Center im Testspiel gegen Heidelberg zu etwas mehr Einsatzzeit. Aber das lag an der Verletzung von Kirchheims Kapitän An­dreas Kronhardt. Während die Stärken des Aufbauspielers Abraha im überdurchschnittlich hohen Ballgefühl liegen, zeichnet sich Center Nicklaus neben seiner überwältigenden Größe von 2,17 Metern durch einen guten Mitteldistanzwurf aus.

Torsten Böhringer, Trainer des MTV Stuttgart, stellt aber klar: „Beide müssen sich ihre Einsatzzeiten verdienen.“ Zudem bremst der Stuttgarter Coach vor allzu hohen Erwartungen. „Über einen längeren Zeitraum“, sagt er, „hat noch keiner in der 1. Regionalliga gespielt.“ Die vierthöchste Spielklasse zeichnet sich durch viel erfahrenes Spielermaterial aus, was für die jungen Basketballer Neuland ist. Beim MTV sollen sie jetzt von den tragenden Säulen des Teams lernen: Point Guard Cyril da Silva und Center Nick Mosley. Die Rollen der Topscorer werden in dieser Spielzeit wichtiger denn je sein. Schließlich kam es durch die Abgänge von Lukas Müller, Falco Meyer-Hübner und Christian Gundlach, die sich künftig verstärkt ihrem Privat- und Berufsleben widmen werden, zu einer starken Verjüngung im Kader. In Distanzschütze Lars Schierhorn (28) und Small Forward Christopher Ley (27) wurden immerhin zwei erfahrene Spieler dazugeholt. Der vom MTV umworbene Center Ori Garmizo entschied sich in letzter Sekunde für einen Wechsel zum Ligakonkurrenten SG Lützel-Post Koblenz.

Der Kader verspricht also einerseits großes Potenzial, andererseits hat er durch die drei Abgänge an Erfahrung verloren, die Torsten Böhringer als ein bis dato „zuverlässig tickendes Uhrwerk“ bezeichnet. Was also ist drin in der kommenden Saison, deren Heimspiele der MTV aufgrund von Bauarbeiten in den ersten Wochen nicht wie gewohnt in der Sporthalle West, sondern in der Sportstätte des Friedrich-Eugens Gymnasiums austragen muss? Taktisch wird sich nicht viel ändern. Die Defensive soll weiterhin der Trumpf sein, die Gegner nicht mehr als 70 Punkte erzielen. Weshalb sich auch die Ansprüche an der vergangenen Saison orientieren. „Ich erwarte von meiner Mannschaft, dass wir uns von Beginn an von den Abstiegsplätzen fern halten“, fordert Böhringer und fügt an: „Wir haben das Potenzial, wieder so gut zu sein wie vergangene Saison.“

Da landete der MTV, der zuvor noch als Abstiegskandidat Nummer eins betitelt wurde, überraschend auf dem fünften Rang. Zeit also für eine neue Überraschung – dem 19-jährigen Fekre Abraha würde das sicher mehr als nur ein Lächeln entlocken.

Zugänge: Fekre Abraha (Mamo Baskets Freiberg), Andreas Nicklaus (TSV Tröster Breitengrüßbach), Lars Schierhorn (PS Karlsruher Lions II), Christopher Ley (Komusina Haiterbach), Rafael Kaltzidis (Zuffenhausen 89ers), Zagros Norouzian, Hugo Mounier (SV Möhringen) Jovan Vukovic (eigene Jugend). Abgänge: Falco Meyer-Hübner, Christian Gundlach (pausieren), Lukas Müller (Zuffenhausen 89ers) , Nii Narku Bergmann (Cuxhaven Baskets).Kader: Guard: Cyril da Silva, Fekre Abraha, Lars Schierhorn, Jose Tejada-Munoz, Rafael Kaltzidis, Zagros Norouzian, Hugo Mounier, Jovan Vukovic, Forward: Jonas Leidel, Christopher Ley, Marvin Jaumann, Milos Mandic, Alexander Komitakis, Center: Nickolas O’Brian Mosley, Andreas Nicklaus.

Simon Valachovic (Nordrundschau)