Der MTV Stuttgart verliert beim KIT SC Karlsruhe mit 78:86.

Torsten Böhringer war genervt. Nicht wegen der 78:86-Niederlage beim KIT SC Karlsruhe, auch College Wizards genannt, an sich. Schließlich kann man gegen den Tabellendritten der 1. Basketball-Regionalliga, der bisher nur viermal verloren hat, durchaus verlieren. Doch erkannte der Coach des MTV Stuttgart ein wiederkehrendes Muster, das sich ein wenig durch die vergangenen Wochen zieht und den Stuttgartern zuletzt ein ums andere Mal um wichtige Punkte gebracht hat. „Wir wachen immer wieder zu spät auf“, monierte der 33-Jährige. Wie schon gegen den ASC Mainz, als es am Ende gerade noch zum Sieg gereicht hatte. Wie auch schon gegen den TV Langen, als der MTV mit der Schlusssirene verlor.
Und so rannten die Stuttgarter auch in Karlsruhe von Beginn an einem Rückstand hinterher. Doch nicht nur das: Zwischenzeitlich zeichnete sich gar eine derbe Abreibung ab. Kurz vor Ende des dritten Viertels lagen die Stuttgarter bereits mit 21 Punkte (44:65) hinten und sahen gegen treffsichere Karlsruher kein Land. Doch dann, wie eben so oft in den Vorwochen, lief es – zumindest soweit, wie das eben möglich ist, gegen den Tabellendritten. „Wir merken regelmäßig erst im dritten Viertel, dass es eigentlich geht“, haderte Böhringer. „Dann fangen wir plötzlich an, zu verteidigen und den Gegner unter Druck zu setzen.“ Durch die robustere Gangart im Defensivverhalten verwandelten die Nord-Stuttgarter das scheinbare Debakel letztlich in eine überschaubare Niederlage.
Dass es trotz der überzeugenden letzten zehn Minuten nicht zum Erfolg reichte, lag neben der eigenen Schlafmützigkeit jedoch auch schlicht an der spielerischen Überlegenheit des Gegners. So schwärmte Böhringer regelrecht vom Auftritt des Karlsruhers Rouven Rößler, 38, ehemals deutscher Nationalspieler. „So etwas habe ich in der 1. Regionalliga noch nie gesehen“, betonte er und zeigte sich vor allem von den Distanzwürfen des Routiniers (24 Punkte) beeindruckt. „Das ist einfach ein anderes Level, sagte Böhringer. Doch auch für seine eigenen Akteure fand der MTV-Coach noch lobende Worte. Insbesondere für Christian Gundlach, der vor der Saison eigentlich für die zweite Mannschaft vorgesehen war. „Er war heute unser bester Mann“, sagte Böhringer hinsichtlich dessen Top-Quote, die aufgrund der wiederkehrenden Trägheit des MTV zu Spielbeginn, letztlich aber nur ein Randaspekt blieb.
MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (22), Marco Schlafke (16), Milos Mandic (12), Jonas Leidel (4), Alexander Komitakis (6), Christian Gundlach (12), Fekremariam Abraha (2), Cyril Antoine da Silva, Rafail Kaltzidis (4).

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)