Not-Aufgebot kommt böse unter die Räder

Der mit nur sechs etatmäßigen Spielerin angetretene MTV ergibt sich in Saarlouis seinem Schicksal. 

Ein Blick auf den Spielberichtsbogen reichte, um die deutliche 68:92 -Pleite des MTV Stuttgart im Regionalligaspiel bei den Saarlouis Sunkings zu erklären. Acht gemeldete Spieler waren auf dem Papier festgehalten – was an sich nicht schlecht ist, schließlich kann man mit drei Auswechselspielern durchaus etwas anfangen und solide durchrotieren. Doch befand sich unter den drei Reservisten auch MTV-Trainer Torsten Böhringer, der, wenn überhaupt, nur noch punktuell und dann in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommt. In Guard Jovan Vukovic reiste zudem ein Jugendspieler mit, der eigentlich noch keine Einsatzzeiten beim Basketball-Regionalligisten bekommt.

Lediglich sechs Akteure, die regelmäßig für den Kader der Stuttgarter vorhergesehen sind, standen zur Verfügung, fünf Spieler fehlten dem MTV. Aufbauspieler Fekre Abraha meldete sich kurzfristig krank ab, Center Andreas Nicklaus kam für den Zweitligisten Kirchheim Knights zum Einsatz. Rafail Kaltzidis (Guard) musste sich der schon länger geplanten Operation am Kiefer unterziehen, der flexibel einsetzbare Christian Gundlach fehlte aus familiären Gründen. Und auch Distanzschütze Cyril da Silva musste kurzfristig aufgrund eines seiner Trainingscamps passen.

Ein immenser personeller Aderlass, der für den MTV Stuttgart nicht zu kompensieren war. Von Beginn an war der MTV chancenlos und blieb über die gesamte Partie hinweg ohne eine einzige Führung. Die Folge: Ein Start-Ziel-Sieg für Saarlouis, die dritte Niederlage in Serie für den MTV, der auf Tabellenrang acht rutscht. „Die fehlende Breite im Kader hat man uns angemerkt“, sagt Böhringer. Dazu hätten die üblichen Leistungsträger nicht die gewohnte Leistung gebracht, um so ein Spiel zu gewinnen. Womit er auch Kapitän Jonas Leidel ansprach, der ohne Punkterfolg blieb.

Generell, so Böhringer, habe er nicht das Gefühl gehabt, dass jeder mit der richtigen Einstellung in das Spiel gegangen sei. „Ein Spiel abzuschenken, nur weil dir Spieler fehlen, das geht nicht“, monierte der 33-Jährige. Was also blieb vom völlig missratenen Gastspiel im Saarland? „Eine unschöne Angelegenheit“ und „300 verschwendete Kilometer“, wie der Stuttgarter Trainer befand. Nur eine Sache stimmte den Coach doch noch ein wenig heiter. „Immerhin bin ich um einen Einsatz herumgekommen“, scherzte Böhringer. Ansonsten gab es für den MTV am Samstagabend nicht viel zu lachen.

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (22 Punkte), Marco Schlafke (19), Jovan Vukovic (3), Milos Mandic (8), Jonas Leidel, Alexander Komitakis (5), Torsten Böhringer, Jose Angel Tejada-Munoz (11).

Simon Valachovic (Nordrundschau)

Der Rückkehrer akklimatisiert sich schnell

Marco Schlafke hat binnen weniger Wochen seinen Status als Leistungsträger des MTV zementiert.

Seit Mitte Januar ist Marco Schlafke zurück bei den Regionalliga-Basketballern des MTV Stuttgart. Als er sich vor knapp einem Monat seinem ehemaligen Club wieder anschloss, kämpfte der ehemalige MTV-Kapitän zunächst noch mit Anlaufschwierigkeiten. Kein Wunder: Nachdem er mit seinem überraschenden Ausstieg beim Ligarivalen Rewe Aupperle Fellbach dort nicht gerade für Jubelstürme gesorgt hatte, war Schlafke zwischendurch für einen Monat nach Asien gereist, um Urlaub zu machen. Diese Auszeit sorgte wiederum dafür, dass der gewiefte Distanzschütze, der über eine technisch feine Wurfausführung verfügt, nach seiner Rückkehr zum MTV zunächst eher wenig zustande brachte. Stuttgarts Trainer Torsten Böhringer lobte seinerzeit nur die Defensivarbeit des Rückkehrers.
Doch schnell hat sich Schlafke akklimatisiert und den Status zementiert, den er schon bei seinem vorherigen Engagement beim MTV inne hatte: den eines Leistungsträgers. 16 Punkte erzielte er beim Gastspiel in Karlsruhe. Doch nicht nur das. „Marco hilft uns aktuell mental sehr weiter“, sagt Torsten Böhringer. „Er zweifelt keine Sekunde. Das tut der Mannschaft gut.“ Vor allem, da die Stuttgarter zuletzt immer wieder durch schlechte Anfangsphasen Rückständen hinterherrennen mussten, schreibt der 33-jährige Coach seinem erfahrenen Aufbauspieler eine Schlüsselrolle zu: „Er hat die Einstellung, die wir brauchen. Er will gewinnen.“
Über eine Beschäftigung über den Sommer hinaus haben Böhringer und Schlafke trotz der vielen lobenden Worte noch nicht gesprochen. „Ich habe bisher mit noch keinem Spieler Gespräche geführt. Aktuell denke ich von Spiel zu Spiel“, sagt Böhringer und meint damit die nächste Partie am Samstag bei den Saarlouis Sunkings. In der Hinrunde kassierte der MTV gegen die Saarländer die wohl bitterste Niederlage der Saison, als er in den Schlussminuten einen sicher geglaubten Sieg noch unnötig verspielte. „Jetzt wollen wir Revanche“, sagt Torsten Böhringer. Marco Schlafke wird sicher seinen Teil dazu beitragen.

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)

Mal wieder viel zu spät aufgewacht

Der MTV Stuttgart verliert beim KIT SC Karlsruhe mit 78:86.

Torsten Böhringer war genervt. Nicht wegen der 78:86-Niederlage beim KIT SC Karlsruhe, auch College Wizards genannt, an sich. Schließlich kann man gegen den Tabellendritten der 1. Basketball-Regionalliga, der bisher nur viermal verloren hat, durchaus verlieren. Doch erkannte der Coach des MTV Stuttgart ein wiederkehrendes Muster, das sich ein wenig durch die vergangenen Wochen zieht und den Stuttgartern zuletzt ein ums andere Mal um wichtige Punkte gebracht hat. „Wir wachen immer wieder zu spät auf“, monierte der 33-Jährige. Wie schon gegen den ASC Mainz, als es am Ende gerade noch zum Sieg gereicht hatte. Wie auch schon gegen den TV Langen, als der MTV mit der Schlusssirene verlor.
Und so rannten die Stuttgarter auch in Karlsruhe von Beginn an einem Rückstand hinterher. Doch nicht nur das: Zwischenzeitlich zeichnete sich gar eine derbe Abreibung ab. Kurz vor Ende des dritten Viertels lagen die Stuttgarter bereits mit 21 Punkte (44:65) hinten und sahen gegen treffsichere Karlsruher kein Land. Doch dann, wie eben so oft in den Vorwochen, lief es – zumindest soweit, wie das eben möglich ist, gegen den Tabellendritten. „Wir merken regelmäßig erst im dritten Viertel, dass es eigentlich geht“, haderte Böhringer. „Dann fangen wir plötzlich an, zu verteidigen und den Gegner unter Druck zu setzen.“ Durch die robustere Gangart im Defensivverhalten verwandelten die Nord-Stuttgarter das scheinbare Debakel letztlich in eine überschaubare Niederlage.
Dass es trotz der überzeugenden letzten zehn Minuten nicht zum Erfolg reichte, lag neben der eigenen Schlafmützigkeit jedoch auch schlicht an der spielerischen Überlegenheit des Gegners. So schwärmte Böhringer regelrecht vom Auftritt des Karlsruhers Rouven Rößler, 38, ehemals deutscher Nationalspieler. „So etwas habe ich in der 1. Regionalliga noch nie gesehen“, betonte er und zeigte sich vor allem von den Distanzwürfen des Routiniers (24 Punkte) beeindruckt. „Das ist einfach ein anderes Level, sagte Böhringer. Doch auch für seine eigenen Akteure fand der MTV-Coach noch lobende Worte. Insbesondere für Christian Gundlach, der vor der Saison eigentlich für die zweite Mannschaft vorgesehen war. „Er war heute unser bester Mann“, sagte Böhringer hinsichtlich dessen Top-Quote, die aufgrund der wiederkehrenden Trägheit des MTV zu Spielbeginn, letztlich aber nur ein Randaspekt blieb.
MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (22), Marco Schlafke (16), Milos Mandic (12), Jonas Leidel (4), Alexander Komitakis (6), Christian Gundlach (12), Fekremariam Abraha (2), Cyril Antoine da Silva, Rafail Kaltzidis (4).

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)

Am Ende fliegt die Flasche

Der MTV Stuttgart verliert in der 1. Regionalliga gegen den TV Langen in allerletzter Sekunde mit 85:86 Punkten. Eine ärgerliche Niederlage.

Was hat der berühmte „Buzzer Beater“ im Basketball nicht schon für Geschichten geschrieben? Noch wenige Sekunden sind auf der Uhr, ein letzter Wurf im Spiel entscheidet über Sieg oder Niederlage – ein Szenario, wie es jeder kennt, der dem US-amerikanischen Sport wohlgesonnen ist. Und das jeden begeistert, sofern er am Ende nicht auf der Verliererseite steht.
Jonas Leidel, Kapitän des MTV Stuttgart, war nach der 85:86-Niederlage (43:41) gegen den TV Langen deshalb vorübergehend alles andere als erfreut über die dramatischen Auswüchse seines Herzenssports. Der Stuttgarter Forward pfefferte frustriert seine Trinkflasche gegen die Wand der Sporthalle West. Im letzten Moment hatte er den Langener Maxim Schneider verteidigt, war aber nicht mehr ganz an den Wurf des Distanzschützen herangekommen. Die Folge: Der MTV verlor in letzter Sekunde nach davor zwei Siegen und rutschte in der Tabelle der 1. Regionalliga auf Platz acht ab. Das Ziel Rang fünf ist dadurch wieder in weite Ferne gerückt.
Torsten Böhringer fand anschließend tröstende Worte für Leidel. „So ein letzter Wurf ist immer etwas verrückt und mit viel Glück verbunden“, sagte er und fügte hinzu: „Außerdem hätte es soweit ja auch gar nicht erst kommen müssen.“ Womit der MTV-Coach vor allem zwei Dinge ansprach: Zum einen die verschlafene Anfangsphase. 27 Punkte waren es, die der MTV im ersten Viertel zuließ. Ein Wert, der insbesondere für einen Defensivspezialisten wie Torsten Böhringer eindeutig zu hoch ist. „Da haben einfach alle zu wenig gemacht“, monierte der 33-Jährige. Zum anderen haderte er mit ein paar kritischen Schiedsrichterentscheidung kurz vor Schluss. So hätte es den letzten Angriff für die Langener eigentlich gar nicht mehr geben dürfen. Der Balleroberung zuvor war ein vermeintliches Foulspiel am Stuttgarter Forward Milos Mandic beim Versuch eines Rebounds vorausgegangen. „Für mich war das ein klares Foul. Ich werde mir die Szene aber noch einmal anschauen und dann abschließend bewerten“, sagte Böhringer, der sich trotz der Niederlage über eine Sache freute. So hielt der Coach sein Versprechen, den jungen Talenten mehr Einsatzzeiten zu gewähren und wurde prompt belohnt. Andreas Nicklaus kam auf neun Punkte und stellte damit eine persönliche Bestmarke auf.
MTV Stuttgart : Nickolas O’Brian Mosley (23), Marco Schlafke (9), Milos Mandic (10), Jonas Leidel (5), Alexander Komitakis, Fekremariam Abraha (7), Andreas Nicklaus (9), Rafail Kaltzidis (3), Cyril Antoine da Silva (13), Christian Gundlach (4), Jose Angel Tejada-Munoz (2).

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)

Die Jungen rücken in den Fokus

Beim MTV Stuttgart sollen künftig Andreas Nicklaus und Fekre Abraha mehr Einsatzzeiten bekommen.

Beim MTV Stuttgart hat es im vergangenen Sommer einen größeren Kaderumbruch gegeben. Erfahrene Stützen wie Falco Meyer-Hübner verließen die Nord-Stuttgarter. Die entstandenen Lücken wurden überwiegend mit jungen, ambitionierten Spielern aufgefüllt – darunter auch Andreas Nicklaus und Fekre Abraha. Beide sind Teil der Kooperation mit dem Zweitligisten Kirchheim Knights und sollen beim MTV in der 1. Regionalliga Spielpraxis sammeln. Die in sie gesetzten hohen Erwartungen haben die Nachwuchskräfte bisher allerdings noch nicht erfüllt. Auch weil die Mannschaft von Trainer Torsten Böhringer zwischenzeitlich Gefahr lief, in den Sog des Abstiegsstrudels zu geraten, blieben die Einsatzzeiten überschaubar. Mittlerweile hat sich der MTV allerdings wieder gefangen und belegt nach den Siegen gegen Mainz und Fellbach den siebten Platz.
Und deshalb sollen die beiden 19-Jährigen in den kommenden Wochen auch mehr Einsatzzeiten bekommen – so ist zumindest der Plan von Torsten Böhringer. „Wir wollen jünger werden“, sagt er, „beide können sich jetzt mehr zeigen.“ Vor allem der großgewachsene Center Andreas Nicklaus kam bisher kaum zum Einsatz – weil er schlicht nicht an Nick Mosley vorbeikommt und bisweilen etwas unglücklich agierte. Dennoch attestiert ihm Böhringer eine „hohe Intelligenz und viel Ehrgeiz“. Topscorer Mosley sprach kürzlich sogar davon, dass sich in ein paar Jahren einige noch wundern würden, wenn man Nicklaus plötzlich in einer Profi-Liga zu sehen bekäme.
Fekre Abraha wird indes vom Abgang von Christopher Ley profitieren, der sich aus zeitlichen Gründen Komusina Haiterbach in der Regionalliga Baden-Württemberg anschließen wird. Und da sich Rafail Kaltzidis im Februar einer Kiefer-Operation unterziehen muss, werden die Einsatzzeiten weiter zunehmen. Dazu soll das Nachwuchstalent von der Erfahrung von Rückkehrer Marco Schlafke profitieren. An diesem Sonntag in der Sporthalle West (Spielbeginn 17 Uhr) können beide Talente im Duell mit dem Tabellennachbarn TV Langen also gleich mal zeigen, was in ihnen steckt.

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)

Kein Schönheitspreis, aber wichtige Punkte

Der MTV Stuttgart gewinnt in der 1. Regionalliga das Derby gegen die Flashers Fellbach mit 66:58.

Der Charakter eines Derbys bringt es in der Regel mit sich, dass technische Feinheiten für die Dauer einer Begegnung vergessen sind. Stattdessen liegt die Konzentration auf der Physis und der Mentalität – der reine Siegeswille steht über allem, worunter die Schönheit des Spiels mitunter leidet. Wer also beim Aufeinandertreffen zwischen den Flashers Fellbach und dem MTV Stuttgart in der 1. Regionalliga auf eine spielerisch hochwertige Basketballpartie gehofft hatte, der wurde ein wenig enttäuscht. Und so sagte Jonas Leidel, Kapitän des MTV Stuttgart, nach der Partie fast schon entschuldigend: „Das hatte vollen Derbycharakter. Ein schönes Spiel war es definitiv nicht.“
Dass dem großgewachsenen Forward diese Feststellung jedoch kaum etwas auszumachen schien, lag schlichtweg daran, dass die Nord-Stuttgarter mit 66:58 (28:26) als Sieger aus dem punktearmen und kampfbetonten Duell hervorgingen.
Dass den zehntplatzierten Fellbachern ihr Center Andre Gillette fehlte, war ihrem Spiel deutlich anzumerken. Insgesamt elf Offensiv-Rebounds mehr pflückte der MTV vom Korb. Eine Tatsache, die vor allem in den Schlussminuten entscheidend war, als sich die Nord-Stuttgarter erstmals wirklich absetzten. Zuvor hatte das Spiel überwiegend von Spannung und von vielen Führungswechseln gelebt. „Wir haben gut gespielt. Ohne Andre nur 66 Punkte zuzulassen, stimmt mich zufrieden“, sagte der Fellbacher Coach Chris Ferguson. Zudem habe man in Nick Mosley den besten Spieler der Liga bei 13 Punkten gehalten.
Dies allerdings gelang nur, weil den Topscorer teilweise bis zu drei Fellbacher in Manndeckung nahmen – was dem MTV, wie schon gegen den ASC Mainz, Raum auf den Außenpositionen verschaffte. Nutznießer dieser Freiheiten war der Ex-Fellbacher Jose Tejada-Munoz, der mit 24 Punkten zum besten Werfer avancierte. „Jose hat durch teils wilde Aktionen wichtige Punkte für uns gemacht“, lobte MTV-Trainer Torsten Böhringer seinen dynamischen Shooting Guard. Aber auch mit Jonas Leidel war er zufrieden. Schließlich kam der MTV-Kapitän auf insgesamt zwölf Rebounds und 14 Punkte. „Jonas ist heute gut zum Korb gegangen“, sagte Böhringer.
Marco Schlafke, der mit seinem Wechsel von Fellbach zum sechstplatzierten MTV kürzlich für Aufsehen sorgte, blieb indes eher unauffällig. Der Aufbauspieler erzielte zwar seine ersten Punkte für die Nord-Stuttgarter – ansonsten wollte ihm nicht viel gelingen. „In der Defense hat Marco aber gute Arbeit geleistet“, sagte Böhringer.
MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (13), Marco Schlafke (2), Milos Mandic (4), Jonas Leidel (14), Alexander Komitakis (2), Christian Gundlach (3), Fekremariam Abraha, Andreas Nicklaus, Cyril Antoine da Silva (1), Rafail Kaltzidis (3), Jose Angel Tejada-Munoz (24).

(Stuttgarter Zeitung, Simon Valachovic)