MTV: Erst filetiert und dann gefeiert

Die Stuttgarter kämpfen den TV Langen nach einer immensen Leistungssteigerung in Hälfte zwei nieder.

Gut, in der 1. Regionalliga geht es für die Basketballer des MTV Stuttgart nur noch darum, welchen Platz sie am Ende der Runde im Niemandsland des Klassements belegen werden. Wer nun aber voreilig mutmaßt, dass die Mannschaft von Trainer Torsten Böhringer die Saison gemütlich auslaufen lässt, der täuscht sich gewaltig. In der Partie gegen den bis dahin punktgleichen Tabellennachbarn TV Langen legte der MTV einmal mehr einen Basketball-Krimi allerfeinster Machart hin. Die Dramaturgie war allerdings einfach: Eine Halbzeit lang präsentierten sich die Stuttgarter völlig von der Rolle, ehe sie im zweiten Spielabschnitt gewaltig auftrumpften und die Begegnung mit 95:90 für sich entschieden. Hauptverantwortlich dafür war ein Mann, der zuletzt schmerzlich vermisst worden war.

Knapp eine Minute Restspielzeit zeigte die Uhr in der Sporthalle West an, als Cyrill Da Silvas Drei-Punkte-Wurf im Korb der Langener landete. Es waren die Punkte zum 91:88 für den MTV und das dritte Mal, dass die Gastgeber in dieser Partie überhaupt in Führung waren. Allerdings gab es gegenüber den anderen beiden Malen einen wesentlichen Unterschied – der Vorsprung war nicht einen Angriff der Langener später wieder dahin. Denn die Gäste brachten danach nur noch zwei Zähler auf die Ergebnistafel, obendrein beide per Freiwurf. Der MTV legte dagegen noch vier Punkte nach – ebenfalls alle per Freiwurf.

Dass es so enden würde, war in zwei der vier Viertel nicht einmal zu ahnen und im dritten bestenfalls zu hoffen gewesen. Denn bis zur Pause waren die Stuttgarter von dem Tabellenfünften nach allen Regeln der Kunst zerlegt worden. Die Langener trumpften durch schnelle Positionswechsel sowie präzises Passspiel und ein verhältnismäßig hohe Treffsicherheit – auch bei den Drei-Punkte-Würfen – auf. Der MTV zeigte dagegen ein anderes, ein konträres Bild: Schlafmützig bis zur Apathie in der Abwehr, schludrig in der Offensive. Es war, als hätte man dem gesamten Team Baldriantropfen verabreicht. Mit einer Ausnahme: Cyrill Da Silva. Der Spielmacher war gleichermaßen Herz, Hirn und Hand im Spiel der Stuttgarter. Und er war derjenige, der verhinderte, dass sein Team bis zur Pause rettungslos im Hintertreffen lag. Zwar waren die Rückstände nach dem ersten Viertel mit 20:26 und nach dem zweiten mit 47:56 nicht so groß, dass sie uneinholbar gewesen wären. Aber jedes Mal, wenn sich der MTV ein bisschen herangearbeitet hatte, zog der TV Langen das Tempo an und setzte sich erneut ab.

Dass sich die Mannschaft nach der Pause auf ihre Tugenden besann, mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass sie von den Rängen lautstark von der Damenmannschaft des MTV und damit dem frisch gebacken Meister der Regionalliga Baden-Württemberg unterstützt wurde. Jedenfalls zeigten sich die Herren nun in deutlich besserer Verfassung, vor allem bei der Abwehrarbeit. Dass es dennoch mit einem 67:76-Rückstand in den letzten Spielabschnitt ging, lag an der übersichtlichen Punktausbeute. Die war im vierten Viertel mit 26 Punkten zwar auch nicht überragend. Doch die Stuttgarter ließen eben nur 14 Zähler der Langener zu.

Coach Böhringer, den seine Schützlinge eine Spielhälfte lang an den Rand der Verzweiflung getrieben hatten, war die Erleichterung deutlich anzumerken. „Das hat gedauert, bis wir aufgewacht sind“, sagte Böhringer. „Na ja – es ist ja gut für die Fans. Aber nicht für mein Herz.“

MTV Stuttgart: Noah Duffner, Nickolas Mosley (27 Punkte), Milos Mandic (12), Jonas Leidel, Alexander Komitakis, Falco Meyer-Hübner (2), Lukas Müller (11), Christian Gundlach (9), Marvin jaum,ann, Cyrill Da Silva (24), Jose Angel Tejada Munoz (9).

Die Gier nach der „goldenen Ananas“

Der MTV peilt einen Heimsieg über den TV Langen und den Tabellenrang fünf an.

Wenn einer Basketballmannschaft der Spielmacher fehlt, kann es im Offensivspiel durchaus zu Engpässen kommen. Ein Problem, das am vergangenen Wochenende auch den MTV Stuttgart ereilte. Mit 63:76 musste sich der Regionalligist durchaus überraschend wie schon in der Hinrunde bei den abstiegsbedrohten Crailsheim Merlins II geschlagen geben. Weil Cyrill da Silva im Abschlusstraining umgeknickt war, verzichtete Trainer Torsten Böhringer sicherheitshalber auf den Aufbauspieler. Rückblickend ein Fehler. „Ohne Cyrill hatten wir enorme Probleme“ sagt Böhringer. „Wir haben aber auch generell nicht gut gespielt.“

(val). Das soll sich bestenfalls schon an diesem Samstag mit Rückkehrer Da Silva beim Heimspiel gegen den Tabellennachbarn TV Langen ändern. Mit einem Sieg würde der MTV in der Tabelle an Langen vorbeiziehen und den fünften Platz einnehmen. „Wir wissen, dass es nur noch um die goldene Ananas geht. Die wollen wir uns aber holen“, fordert Böhringer, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in der kommenden Saison bei den Stuttgartern an der Seitenlinie stehen wird: „Ich habe derzeit keine Intentionen, woanders hinzugehen.“ Über die Zukunft der Schlüsselspieler Da Silva und Nick Mosley wurde hingegen noch keine Entscheidung getroffen. „Natürlich will ich beide gerne behalten“, sagt Böhringer. „Wir werden nach der Saison Gespräche führen.“ Jetzt gilt der Fokus erst einmal dem kommenden Gegner TV Langen. „Wir sind stark zuhause“, sagt Böhringer aufgrund von nur drei Niederlagen in der Sporthalle West in dieser Saison.

Jagd nach dem Maximum

Nach zweiwöchiger Spielpause geht der MTV gut erholt in die Partie gegen die Crailsheim Merlins II.

Torsten Böhringer ist derzeit ein viel beschäftigter Mann. Der Trainer des MTV Stuttgart lebt für den Basketball. Neben seiner Tätigkeit als MTV-Coach arbeitet der 32-Jährige beim Basketballverband Baden-Württemberg (BBW) als Referent für Strukturmaßnahmen. Eines seiner Projekte ist die Promotion des 3-gegen-3-Basketballs – einer spezifischen Spielform, die ab 2020 olympisch werden soll. Da kam die Osterpause in der 1. Regionalliga gerade recht. „Da ist derzeit richtig viel los“, sagt Böhringer. „Das spielfreie Wochenende hat aber auch der gesamten Mannschaft die nötige Erholung für die Schlussphase der Saison gegeben.“

Das erste der letzten vier Spiele steht für den MTV Stuttgart an diesem Samstag bei den Crailsheim Merlins II an. Auf dem Papier ein schwacher Gegner, den es zu schlagen gilt. Denn die Crailsheimer verfügen mit nur 68 Punkten pro Spiel über die schwächste Offensive der Liga. Zudem sind die Merlins das schlechteste Team von außen, treffen nur knapp 26 Prozent ihrer Dreierversuche. Doch die Crailsheimer haben auch eine Stärke. Dank Starspieler Eric Ross, dem besten Rebounder der Liga, pflückt das Team überdurchschnittlich viele Bälle vom Korb. „Wir müssen den Gegner beim Verteidigen vom Korb fernhalten“, gibt Torsten Böhringer deshalb als Marschroute vor, der zudem noch eine Rechnung mit dem Reserveteam des Zweitligisten offen hat. Schließlich ging das Hinspiel überraschend verloren. „Das gibt uns einen Schub Extramotivation“, sagt Böhringer.

Außerdem kann sich der MTV auch tabellarisch noch verbessern – bis zu Platz vier ist noch alles möglich. „Wir wollen definitiv das Maximum aus dieser Saison herausholen“, sagt der MTV-Coach.

Simon Valachovic

Katerstimmung trotz des Sieges

Der MTV Stuttgart zeigt beim 81:78-Erfolg in Hockenheim einige ungewohnte Schwächen.

So ganz wollte sich die Miene von Torsten Böhringer auch nach dem Ertönen der Schlusssirene nicht aufhellen. Und das, obwohl der MTV Stuttgart mit dem 81:78-Sieg bei der BG Eisbären in Hockenheim bereits den dritten Erfolg in Serie feiern konnte. Damit ist auch der vierte Tabellenplatz der 1. Regionalliga für die MTV-Basketballer wieder in greifbare Nähe gekommen. Doch die Art und Weise, wie der Sieg zustande kam, passte dem MTV-Trainer nicht. „Wir können eigentlich viel mehr“, sagte Böhringer. Vor allem die schlechte Verteidigungsarbeit war dem 32-Jährigen ein Dorn im Auge. Denn Böhringers Mannschaft vernachlässigte wieder mal ein altbekanntes Problem. „Von außen lassen wir viel zu viel zu“, sagte der Trainer, der diese Schwachstelle immer wieder trainieren lässt.

Dabei sah zu Beginn des Spiels alles relativ souverän aus. Der MTV brachte gegen die abstiegsgefährdeten Karlsruher seine übliche Präsenz unter dem Korb zum Tragen und hatte sich Ende des ersten Viertels bereits einen komfortablen Vorsprung erarbeitet (24:15). Doch die Eisbären fanden zurück ins Spiel und drehten die Partie zwischenzeitlich sogar gänzlich. Anstatt der zuvor deutlichen Führung, mussten die Stuttgarter nach der Halbzeitpause einem Rückstand von vier Punkten hinterher laufen (38:42). „Wir waren nur am Anfang gut“, sagte Torsten Böhringer. So war der Karlsruher Jungstar Matej Jelovcic, der sich in den vergangenen Wochen in bestechender Form zeigte, mit 10 Punkten zwar eher unauffällig. Dafür stellte Außenspieler Kenneth Fluellen die Stuttgarter Defensive immer wieder vor große Probleme. Der US-Amerikaner traf vier seiner sieben Versuche aus der Distanz.

Dass der Böhringer-Tross dennoch das Ruder noch umzureißen wusste, lag vor allem an Cyrill da Silva. Wieder einmal, muss man fast schon sagen. Denn der Aufbauspieler, der bereits beim Derbysieg gegen Fellbach eine Hauptrolle einzunehmen wusste, nahm das Spiel in der entscheidenden Phase in die eigene Hand. So machte der 34-Jährige 19 seiner insgesamt 24 Punkte in der zweiten Halbzeit. Von seinen zwölf Versuchen fanden sieben ihr Ziel. Eine starke Quote. „Wir können uns in solchen Phasen aber nicht immer auf ihn verlassen“, zeigte sich Böhringer hinsichtlich der gesamten Mannschaftsleistung kritisch. Dennoch reichte der starke Auftritt des Franzosen für den dritten Sieg in Folge. Denn wenige Sekunden vor Schluss brachte der starke Fluellen die Karlsruher zwar noch einmal auf zwei Punkte heran (77:75). Im direkten Gegenzug behielt Da Silva jedoch die Nerven und verwandelte zwei Freiwürfe. „Gegen eine Spitzen-Mannschaft hätten wir heute mit 20 Punkten Differenz verloren“, sagte Böhringer. „Das ist der Mannschaft aber bewusst.“

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (23), Nii Narku Bergmann, Milos Mandic (8), Jonas Leidel (10), Noah Duffner, Lukas Philipp Müller (4), Christian Gundlach (4), Marvin Jaumann, Cyrill Antoine Da Silva (24), Jose Angel Tejada-Munoz (8).

Der MTV und die Unberechenbarkeit

Die Stuttgarter wollen nach dem Derby-Sieg gegen die wieder erstarkte BG Eisbären nachlegen.

So ganz ist die Freude über den Derbysieg des Basketball-Regionalligisten MTV Stuttgart gegen die „Flashers“ aus Fellbach noch nicht abgeklungen. Dafür war das Spiel, das bis in die Verlängerung ging, viel zu dramatisch. „Ich bin aber wieder gut hydriert“, sagt der MTV-Trainer Torsten Böhringer lachend. Die frisch entfachte Euphorie möchte der 32-Jährige nun im Idealfall bis zum Ende der Saison aufrecht erhalten. Der nächste Schritt, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, wäre ein Heimsieg am Samstag. Da empfangen die Stuttgarter die BG Eisbären.

Ein vermeintlich schwacher Gegner, schließlich befinden sich die Karlsruher im Abstiegskampf. Allerdings haben die Badener in den vergangenen Wochen eine kleine Erfolgsserie hingelegt. Von insgesamt sieben Siegen in dieser Saison holten die Eisbären unter dem neuen Trainer Goran Miljevic drei aus den letzten vier Spielen. Vor allem der 19-jährige Matej Jelovcic ist eine treibende Kraft dieses Aufwärtstrends. Im November kam der Aufbauspieler vom Reserveteam der MHP Riesen Ludwigsburg und besticht seither mit durchschnittlich mehr als 16 Punkten pro Partie. „Ihn werden wir gut verteidigen müssen“, sagt Böhringer, der diesbezüglich aber auf seine Defensive vertraut. Vor allem Jonas Leidel hebt er hervor. „Er ist einer der besten Verteidiger der Liga.“

Auf den Top-Spieler der Karlsruher wird der Forward allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit in keinem direkten Duell treffen. Schließlich verteidigt der 30-Jährige auf größeren Positionen. „Für Jelovcic haben wir uns dennoch etwas ausgedacht“, sagt Böhringer vielsagend, ohne jedoch verraten zu wollen, wie der Plan genau aussehen soll. „Wir wollen schließlich unberechenbar bleiben.“ Sicher ist jedoch, dass Alexander Komitakis bei diesen Gedankenspielen wohl keine Rolle spielen wird. Der Center hat derzeit Rückenbeschwerden.

Simon Valachovic (Nordrundschau)

MTV-Riesen siegen im Derby-Drama

Die Stuttgarter kämpfen REWE Aupperle Fellbach in der Verlängerung nieder.

Noch wenige Sekunden in der Verlängerung waren zu spielen, als Cyrill Da Silva in eine missliche Lage geriet. In einem Zweikampf war der MTV-Guard mit seinem Schuh an einem Gegenspieler hängen geblieben. Die Zeit, ihn wieder anzuziehen, war allerdings schlichtweg nicht gegeben. Und so schmetterte der 34-Jährige sein Schuhwerk gegen die Hallenwand und sprintete zurück, um seine Mannschaft zu unterstützen. Eine Szenerie, die für einige Lacher bei den rund 400 Zuschauern in der Sporthalle West sorgte. Allerdings stand sie sinnbildlich für den 105:99-Sieg des MTV Stuttgart über den Lokalrivalen REWE Aupperle Fellbach, den sich die Stuttgarter in der Verlängerung erkämpften. Denn der Derby-Triumph des Basketball-Regionalligisten war vor allem das Ergebnis einer starken Mentalitätsleistung, für den die Stuttgarter zwei Comebacks benötigten.

Das erste, weil dem MTV in einer bis dahin ausgeglichenen Partie, die Begegnung Anfang des dritten Viertels ziemlich aus den Händen geglitten war. Die Folge war eine Fellbacher Führung von 14 Punkten. Ein überragend aufgelegter Andre Gillette, der 39 Punkte erzielte, ließ den MTV-Verteidigern unter dem Korb nicht den Hauch einer Chance. Auf insgesamt vier Dunks und einen Alley-Oop brachte es der US-Amerikaner. „Das habe ich auf diesem Niveau noch nicht erlebt“, zeigte sich MTV-Trainer Torsten Böhringer respektvoll. Und wenn Gillette mal nicht traf, surrten von außen die Dreier in die Maschen. „Fellbach war perfekt auf uns vorbereitet“, sagte Böhringer. „Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, was wir machen sollten.“ Und dennoch fand seine Mannschaft zurück in die Partie, weil sie in der Folge die Distanzschützen besser verteidigte. Und so gelang es den Stuttgartern, angeführt von Da Silva und dem ehemaligen Fellbacher Jose Angel Tejada Munoz, das Spiel vorerst zu drehen. Zwölf Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit führte der MTV bei eigenem Ballbesitz mit zwei Punkten. Allerdings verloren die Stuttgarter den Ball, weil sie einen Einwurf direkt ins Aus beförderten. Was folgte, war die logische Konsequenz. Gillette war per Dunk zur Stelle – Verlängerung (83:83). „Das macht einen fix und fertig“, sagte der sichtlich aufgewühlte Torsten Böhringer zu insgesamt sieben Führungswechseln, und dem damit verbundenen ständigen Auf und Ab, das in der Overtime seine Fortsetzung fand.

Denn da hatten wiederum die Fellbacher den besseren Start auf der eigenen Seite und führten schnell mit fünf Punkten. Und so benötigte es das zweite MTV-Comeback. „Es war ein offener Schlagabtausch“, sagte Torsten Böhringer, den der MTV dank der Distanztreffer von Tejada-Munoz und Lukas Müller gewann. Vor allem aber Cyrill da Silva trieb die Stuttgarter an. Kurz vor Schluss verwandelte der Aufbauspieler einen Dreier, der den Vorsprung auf sechs Punkte ausbaute. Danach schrie er seine Freude heraus, blickte ins Publikum und zeigte mit seinen Zeigefingern auf den Hallenboden. Die beiden Punkte bleiben hier, wollte er damit ausdrücken. Und damit sollte er Recht behalten. Denn den Fellbachern gelang im Gegensatz zum MTV kein Comeback mehr.

MTV Stuttgart: Nii Narku Bergmann, Nickolas O’Brian Mosley (13), Falco Eric Meyer-Hübner (4), Milos Mandic (17). Jonas Leidel (12), Lukas Müller (10), Christian Gundlach, Marvin Jaumann, Cyrill Antoine Da Silva (24), Jose Angel Tejada Munoz (23).

Simon Valachovic (Nordrundschau)