Fünf von elf punkten zweistellig

Beim Sieg der Stuttgarter über Karlsruhe kommen vor allem ein Talent und ein Routinier ins Rollen. 

Noch sieben Minuten im letzten Viertel waren zu spielen, da bekam Fekre Abraha den Ball. Und der wuselige Aufbauspieler fackelte nicht lange. Abseits der Dreierlinie nahm der 19-Jährige einen riskanten Wurf. Dass das Spielgerät anschließend durch das Netz rauschte und drei Punkte einbrachte, freute Torsten Böhringer, Trainer des MTV Stuttgart, gleich mehrfach. Denn zum einen war der Treffer der Startschuss in eine starke Schlussphase, die letztlich zu einem knappen 91:88-Sieg gegen die Arvato College Wizards aus Karlsruhe führte. Zum anderen aber stand dieser verwandelte Wurf auch symbolisch für die erste wirklich überzeugende Leistung des jungen Aufbauspielers in der 1. Regionalliga.

„Mit 10 Punkten hat er heute eine Benchmark gesetzt“, lobte Böhringer die Leistung des Kooperationsspielers von den Kirchheim Knights, der zum ersten Mal in dieser Saison knapp 20 Minuten Einsatzzeit zugesprochen bekam. Aber auch Kapitän Jonas Leidel konnte mit 23 Punkten erstmals in dieser Spielzeit so richtig überzeugen. „Endlich“, freute sich Böhringer lachend über den Auftritt des Forwards, der insgesamt acht seiner zehn Versuche aus der Zone verwandelte und die Mannschaft so immer wieder im Spiel hielt.

Generell kamen insgesamt fünf Akteure auf einen zweistelligen Punktewert – für den MTV in dieser Saison die bisherige Bestmarke. Schließlich lief ansonsten das Spiel zumeist über den formstarken Forward Nick Mosley. „Das war ein wichtiger Faktor für den Sieg“, betonte Böhringer, der vor allem mit der Defensivleistung sehr zufrieden war – ganz im Gegensatz noch zur Vorwoche beim TV Langen, als der 33-Jährige die fehlende Rebound-Arbeit bemängelte und ob des Abwehrverhaltens seiner Teamkollegen sichtlich verärgert war. Gegen Karlsruhe folgte nun die Reaktion der Mannschaft. Durch aggressives Verteidigen zwangen die Stuttgarter die Gäste zu insgesamt 23 Turnovern, was der Schlüssel zum Sieg war. „Das war entscheidend für uns“, sagte Böhringer, dessen Mannschaft hingegen lediglich neun Mal den Ball verlor. Denn so konnte der MTV Stuttgart nach einfachen Ballverlusten des Gegners den Raum nutzen und immer wieder simple Punkte nach Gegenstößen erzielen.

Vorwiegend gelang das allerdings erst ab dem dritten Viertel so richtig. Denn kurz vor dem Ertönen der Halbzeitsirene lagen die Stuttgarter noch mit neun Punkten zurück. Als der MTV dann zu seinen zahlreichen Balleroberungen kam, packte ihn zudem das Momentum aus der Distanz. Die Folge: Eine Kehrtwende im Spiel, eingeleitet durch den Dreier von Fekre Abraha sieben Minuten vor Schluss. Danach ließen die Stuttgarter nichts mehr anbrennen.

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (21 Punkte), Rafail Kaltzidis, Zagros Norouzian, Milos Mandic (14), Jonas Leidel (23), Alexander Komitakis, Fekremariam Abraha (10), Christopher Ley (6), Jose Angel Tejada-Munoz (17), Cyril da Silva, Andreas Nicklaus.

Simon Valachovic (Nordrundschau)

Nick Mosley baut die MTV-Serie aus

Die Stuttgarter bleiben auch in Mainz ungeschlagen und verteidigen den zweiten Tabellenplatz. 

Nick Mosley war der Spieler des Spiels. 33 Punkte erzielte der Center des Basketball-Regionalligisten MTV Stuttgart beim 80:73(38:34)-Auswärtssieg gegen Theresianum Mainz. Dazu kamen überwältigende 23 Rebounds, 19 davon in der Defensive. In der 1. Regionalliga performt Mosley derzeit wie kaum ein anderer Spieler. Allein bei den Rebounds ist der US-Amerikaner ligaweit auf Rang eins. Hinsichtlich der erzielten Punkte gibt es im Mainzer Anish Sharda nur einen besseren Spieler, weshalb sich gegen die Rheinhessen ein Duell der Topscorer entwickelte.

Der wendige Aufbauspieler spielte gegen den MTV sehr ordentlich, erzielte 29 Punkte und gab vier Vorlagen. Mit einer Trefferquote von etwa 35 Prozent war die Effektivität Shardas allerdings eher überschaubar. Trainer Torsten Böhringer setzte Neuzugang Christopher Ley auf den US-Amerikaner an, womit der Guard sichtlich Probleme hatte und deshalb nie ganz zur Entfaltung kam. „Wir wussten, dass wir einfach den Kopf der Schlange abhacken müssen“, erklärte Böhringer. Die Folge war, dass die Stuttgarter mit Beginn des zweiten Viertels kein einziges Mal mehr in Rückstand gerieten und letztlich einen ungefährdeten Sieg einfuhren – und das ganz ohne Schlüsselspieler Cyril da Silva (Erkältung) und Center Andreas Nicklaus, der für den Kooperationspartner und Zweitligist Kirchheim Knights im Einsatz war.

Es scheint im Leistungsvermögen nach oben also noch mehr möglich zu sein, was auch Torsten Böhringer bestätigte: „In der Verteidigung bin ich noch nicht zufrieden. Da können wir noch an Details arbeiten.“ Die verbesserte Offensivleistung mit durchschnittlich 82 Punkten pro Spiel sieht Böhringer hingegen positiv. „Da haben wir uns deutlich verbessert“, sagte er, weshalb die Stuttgarter bisher jedes Saisonspiel gewonnen haben und der MTV jetzt sogar an der Tabellenführung kratzt. Neben den Aufstiegsfavoriten um die BIS Baskets Speyer und die SG Lützel-Post Koblenz ist der MTV Stuttgart das einzige Team ohne eine einzige Niederlage.

„Das macht total Spaß derzeit“, sagte Böhringer zum mehr als gelungenen Start in die Spielzeit 2018/2019. Die Stuttgarter haben entsprechend Blut geleckt: „Jetzt wollen wir die Favoriten soweit es geht ärgern.“ Und wenn Nick Mosley, der derzeit im Schnitt über 27 Punkte erzielt und knapp 15 Bälle vom Korb kratzt, weiterhin so auftritt, scheint das nicht unmöglich. „Unser Ziel bleibt aber weiterhin ein Platz unter den ersten fünf“, sagt Trainer Torsten Böhringer.

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (33 Punkte), Rafail Kaltzidis (3), Milos Mandic (17), Jonas Leidel (4), Alexander Komitakis (4), Fekremariam Abraha (2), Christopher Ley (12), Jose Angel Tejada-Munoz (5).

Simon Valachovic (Nordrundschau)

Gute Defensive als Schlüssel zum Erfolg

Der MTV Stuttgart gewinnt auch sein zweites Spiel in der 1. Regionalliga – 85:73 gegen Kaiserslautern. 

Die Basketball-Herren des MTV Stuttgart haben auch ihr zweites Spiel in der ersten Regionalliga gewonnen – 85:73 lautete das Ergebnis am Samstagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Das war gute Teamarbeit und sah auch für die Zuschauer ganz gut aus“, sagte ein zufriedener Trainer Torsten Böhringer.

Dabei hatte es zunächst gar nicht gut für die Nord-Stuttgarter ausgesehen, zur Pause waren sie noch in Rückstand gelegen. Vor allem die Außen der Gäste machten ihnen mit erfolgreichen Würfen das Leben schwer. „Sie haben uns die Lichter ausgeschossen“, sagte Böhringer, der mit verschiedenen Defensivtaktiken den Angriffswirbel der Pfälzer einzudämmen versuchte. Und das gelang mit zunehmender Spieldauer auch immer besser. „Mir war auch klar, dass der Gegner den Druck nicht über 40 Minuten würde aufrecht erhalten können“, sagte der MTV-Coach. Ob mit der übers ganze Feld fabrizierten Ball-Raum-Deckung oder einer Mann-Mann-Verteidigung, die Gäste fanden zuletzt immer seltener den erfolgreichen Weg zum Korb. Dies vor allem dann, wenn ihnen Christopher Ley im Weg stand. „Er hat unglaublich gut verteidigt. Das war eine richtig starke Vorstellung von ihm“, verteilte Böhringer ein Sonderlob.

Durch die starke Defensivarbeit kämpften sich die MTV-Recken im dritten Viertel nach einer neuerlichen kurzen Flaute nicht nur in die Begegnung zurück, sondern holten sich zudem auch das nötige Selbstvertrauen für den Angriff. Und klappte es einmal nicht mit dem Fastbreak, wurde der Ball im Angriffsspiel so lange geduldig gepasst, bis die entscheidende Lücke gefunden war. „Da haben wir es echt gut runtergespielt“, sagte Böhringer, der vor der Partie keinen Favoriten ausgemacht hatte. In der vergangenen Saison hatten die Teams in den direkten Duellen jeweils eines für sich entschieden.

Einer, der am Samstag neben Ley besonders auffiel, war der Youngster Fekre Abraha. Der 19-jährige Point Guard, der dank eines Doppelspielrechts beim Zweitligisten Kirchheim Knights trainiert und dort auch zum Einsatz kommen könnte, hat in den wenigen Minuten, in denen er auf dem Feld stand, „eine super Leistung gezeigt und auch einen ganz wichtigen Dreier erzielt. Er hat gezeigt, dass er will“, sagte Böhringer.

MTV Stuttgart: Fekre Abraha, Cyrill Da Silva, Alexander Komitakis, Jonas Leidel, Christopher Ley, Milos Mandic, Nickolas O’Brian Mosley, Andreas Nicklaus, Jose Angel Tejada Munoz.

Susanne Degel (Nordrundschau)

Siegreich im Chaos der Regeln

Der MTV Stuttgart feiert einen ausgesprochen kuriosen, aber erfolgreichen Auftakt in die neue Runde 

Es war ein Saisonstart für den Basketball-Regionalligisten MTV Stuttgart, der an Kuriositäten kaum zu überbieten war. Die neue Regelung, dass mindestens zwei sogenannte „Local Player“ innerhalb einer Mannschaft auf dem Feld stehen müssen, sorgte während des Gastspiels bei den Gießen Pointers für heftige Verwirrung. Zum einen, weil die Unparteiischen fälschlicherweise von drei Spielern ausgingen, woran sich der MTV anschließend hielt. Zum anderen, weil Fekre Abraha noch nicht als „Local Player“ registriert war. Die durchaus kuriose Regelung bezieht sich nicht allein auf die Landeszugehörigkeit. Ein „Local Player“ ist dadurch gekennzeichnet, dass er in der Jugend drei Jahre für einen deutschen Verein gespielt hat, weshalb der MTV Cyril da Silva, Nick Mosley und Fekre Abraha nicht gemeinsam auf das Feld schicken konnte.

„Das ist natürlich total ärgerlich, weil wir falsch informiert wurden“, sagte Torsten Böhringer, Trainer der Stuttgarter. Schließlich hätten trotz der noch fehlenden Registrierung Abrahas alle drei Spieler parallel spielen dürfen. Dass zudem Rückkehrer Christopher Ley nicht auflaufen durfte, weil er nicht rechtzeitig für die erste Mannschaft gemeldet worden war, kam als Sahnehäubchen oben drauf. „Das war aber unser Fehler“, gab Böhringer lachend zu.

Den Humor hatte der Coach nicht verloren, weil der MTV Stuttgart das Spiel trotz aller Widrigkeiten mit 81:77 für sich entschied. Dabei sah es lange Zeit nach einer Niederlage aus. Bis zur Halbzeitpause konnten die Stuttgarter kein einziges Mal in Führung gehen. Die Wurfquote von außen war mit 13 Prozent katastrophal. Und auch in der Verteidigung erwischten der MTV nicht seinen besten Tag. „Das war durchwachsen und lückenhaft“, sagte Böhringer, fügte aber an: „Grottenschlecht war die Leistung nicht.“ Denn so mies die Trefferquote von der Dreierlinie war, so stark waren die Versuche aus der Mitteldistanz. Symbolisch dafür war der Auftritt von Jose Tejada-Munoz. Von acht Würfen aus der Distanz rauschte nur einer durch das Netz. Aus näherer Entfernung verwandelte er jeden seiner sechs Versuche.

Der einzige Spieler, der einen in allen Belangen überragenden Tag erwischte, war Nick Mosley. 23 Punkte, 16 Rebounds, sechs Vorlagen und vier Steals zauberte der Center auf das Parkett. „Das war echt brutal“, zeigte sich Trainer Böhringer beeindruckt von der Leistung. Am Ende war es die ausgleichende Gerechtigkeit, dass ausgerechnet ein in den USA aufgewachsener Nicht-Local-Player das Spiel entschied.

MTV Stuttgart: Nickolas O’Brian Mosley (23 Punkte), Milos Mandic (17), Jonas Leidel (11), Alexander Komitakis (1), Fekremariam Abraha, Cyril da Silva (3), Andreas Nicklaus (6), Jose Angel Tejada-Munoz (20).

Simon Valachovic (Nordrundschau)

Der erste Schritt führt durchs Tal der Tränen

Die neu formierte MTV-Mannschaft kommt beim USC Freiburg II böse unter die Räder. 

Dass es nicht einfach werden würde, war von Anfang an klar. Dennoch macht sich bei den Basketballerinnen des MTV Stuttgart Ernüchterung breit. In seiner ersten Begegnung der aktuellen Regionalliga-Spielzeit unterlag der Meister der vergangenen Saison beim USC Freiburg II mit 25:60.

Von Anfang an hielten die Gastgeberinnen den Druck auf das junge Team aus Stuttgart hoch. Bei den Gästen machte sich der Umbruch, den der MTV vor der Saison vollzogen hatte, schnell bemerkbar. Ohne seine abgewanderte Starting Five fehlte der Mannschaft von Trainer Sebastian Gölz schlichtweg die Erfahrung, um den körperlich überlegenen Gegner zu bezwingen. „Unsere Neuzugänge müssen noch lernen, wie sie sich gegen erwachsene Spielerinnen durchsetzen können“, kommentiert Gölz. Das Talent der Spielerinnen stehe außer Frage, betont der Coach. Die fehlende Erfahrung verhinderte dennoch einen strukturierten Spielaufbau. „Wir haben große Schwierigkeiten gehabt, den Ball über die Mittellinie zu bringen.“ Im Abschluss zeigten sich die motivierten Stuttgarterinnen dann an vielen Stellen zu hektisch. Gerade einmal acht Punkte konnte der MTV am Ende der ersten Halbzeit für sich verbuchen. Der USC Freiburg II hingegen fand schnell seinen Rhythmus und spielte sich immer wieder gute Chancen heraus.

In der zweiten Hälfte setzte Gölz auf Gegendruck – und das mit einem gewissen Erfolg. Zwar gelang es nicht, das Blatt zu wenden. Aber: „Die Defense war ganz in Ordnung“, sagt er. „Wir müssen aber lernen, wie wir einer druckvollen Verteidigung entgegenwirken. Auch die erfahrenen Spielerinnen müssen umdenken. Sie müssen sich jetzt selbst Chancen herausspielen.“ Gölz wird – und muss – weiterhin auf seine Talente setzen. „Wir müssen trainieren und von anderen Teams lernen. Jede Mannschaft, die sich mit jungen Spielern neu aufbaut wird, geht erst einmal durch das Tal der Tränen“, sagt Gölz. Der Trainer plädiert dafür, Geduld zu haben: „Uns war klar, dass wir mir Rückschlägen rechnen müssen. Für uns wird jedes Spiel ein kleines Endspiel sein.“ Mittelfristig hat der MTV das Ziel, nicht in einen Abstiegskampf zu geraten. „Wir haben definitiv das Potenzial, Spiele in dieser Liga zu gewinnen.“

MTV Stuttgart: Martina Bulat, Lena Dinklage (4 Punkte), Clara Gausepohl (3), Vera Genten (6), Katrin Hellmann (6), Amelie Rebmann, Sophie Rebmann, Lara Reckmann (2), Tabea Ritschek (4).

Thomas Weingärtner (Nordrundschau)